© David Peters
Klassik trifft Virtual Reality

«Wer zur Hölle ist Beethoven, ey?»

Beethoven vom Sockel holen – das wurde schon häufig versucht. Nun mischt er als Rapper in «BEETHOVEN // OPUS 360» die Welt der Computerspiele auf. Vom 18. September bis 6. Oktober kommt der virtuelle Beethoven in die Tonhalle Zürich.

Ulrike Thiele

«Na, habt Ihr noch Bock? Da haben wir ja schon ein paar schöne Battles gesehen», begrüsst ein Rapper die johlende Crowd und sucht einen neuen Gegner. «Wer ist der nächste? Wer traut sich? Du?» Er scheint sich seiner Sache sehr sicher zu sein und fragt protzig: «Beethoven?! Wer zur Hölle ist Beethoven, ey?» Die Antwort des jungen Komponisten ist stilecht: «So möge es beginnen!»

In virtuelle Welten eintauchen, sich mit anderen messen, beim Gamen oder in einem Rap Battle – das ist soweit bekanntes Terrain für Jugendliche. Nur diesmal ist die Hauptperson, die in den Ring des Virtual-Reality-Games steigt: Beethoven. Oft wird betont, dass dieser schon zu Lebzeiten wie ein Popstar gefeiert wurde. Genau als solcher kann man ihm nun begegnen, als Rapper Beethoven.

Die Erfinder des Spiels, Arthur und Victor Abs, sowie ihr Produktionsteam sind zwischen 20 und 24 Jahre alt. Die beiden Brüder aus Bonn wollten eine Lanze für die Klassik brechen, denn aus ihrem Alltag wissen sie, dass diese bei Jugendlichen kaum eine Rolle spielt: «Wir wollen, dass jeder die Chance bekommt, Beethoven zu entdecken. Man muss es nicht mögen. Aber wir wollen zeigen, wie aufregend Beethoven war.»

Ihre Vision von einem ungezwungenen, spielerischen Bildungszugang trifft den Zeitgeist. Und für einmal hinkt die Klassik aktuellen Entwicklungen nicht hinterher, sondern mischt ganz vorne mit. Gerade wurde «BEETHOVEN // OPUS 360» mit dem Deutschen Computerspielpreis 2023 in der Kategorie «Beste Innovation und Technologie» ausgezeichnet. Denn das Spiel «ist auf einem herausragenden Level produziert und lebt von den kreativen Texten, der schauspielerischen Leistung der Protagonisten und dem zielgruppengerechten Umgang mit den vermittelten Inhalten», so die Begründung der Jury.

Das Konzept von Arthur und Victor Abs scheint auch in der Realität aufzugehen: Begeisterte Schüler*innen, die das Spiel auf der Europa-Tour durch Schulen, Museen und Konzerthäuser ausprobiert haben, schwärmen von Beethoven. Im Spiel werden sie aktiv miteinbezogen. Beethoven braucht ihre Hilfe, um das Battle zu gewinnen.

«Ich wusste nicht viel über Beethoven, eigentlich gar nichts. Jetzt habe ich alles über ihn erfahren!», freut sich ein Schüler. Vielleicht noch nicht ganz alles, aber ein Anfang ist gemacht: «Ich höre eigentlich nur Pop, Rock, Rap. Und jetzt auch mehr klassische Musik dadurch.» Diese Aussicht wäre nicht die schlechteste, auch für Klassik jenseits aller virtuellen Welten.

Selber spielen?

Vor den unten aufgeführten Konzerten können Sie das Spiel selber ausprobieren. Mehr Infos

Oktober 2023
Fr 06. Okt
19.30 Uhr

Bomsori Kim spielt Nielsen

Tonhalle-Orchester Zürich, Paavo Järvi Music Director, Bomsori Kim Violine Beethoven, Nielsen, Brahms
Do 05. Okt
18.30 Uhr

tonhalleCRUSH – classic meets swiss folk

Tonhalle-Orchester Zürich, Paavo Järvi Music Director, Sara Taubman-Hildebrand Moderation Beethoven
Mi 04. Okt
19.30 Uhr

Ausverkauft: Bruce Liu spielt Chopin

Tonhalle-Orchester Zürich, Paavo Järvi Music Director, Bruce Liu Klavier Chopin, Beethoven
Restkarten
September
Do 21. Sep
19.30 Uhr

Olli Mustonen spielt Beethoven

Tonhalle-Orchester Zürich, Paavo Järvi Music Director, Olli Mustonen Klavier Beethoven
Mi 20. Sep
19.30 Uhr

Olli Mustonen spielt Beethoven

Tonhalle-Orchester Zürich, Paavo Järvi Music Director, Olli Mustonen Klavier Beethoven
Sa 16. Sep
10.00 Uhr

BEETHOVEN // OPUS 360: Ein Tag mit Beethoven

veröffentlicht: 22.08.2023

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