Tschaikowskys «Schicksalssinfonie»

«Nach Hause. Packen. Es steht eine Reise nach Russland bevor. Schreiben für wen? Weiterschreiben? Lohnt kaum. Wahrscheinlich schließe ich damit für immer mein Tagebuch ab. Das Alter klopft an, vielleicht ist auch der Tod nicht mehr fern. Lohnt sich denn dann alles noch?» schreibt Tschaikowksy zur Entstehungszeit seiner Sinfonie Nr. 5 in sein Tagebuch. Wien, März 1888.

Am Ende seiner ersten Konzertreise in die Musikzentren Europas befand sich Tschaikowsky in unglücklicher Stimmung, wie sein Tagebucheintrag zeigt. Doch nach einem Umzug nahe der russischen Stadt Klin fand er seine schöpferische Kraft wieder. Seine 5. Sinfonie entstand in wenigen Wochen und wurde am 17. November des gleichen Jahres uraufgeführt. Die tiefe Verzweiflung des Komponisten scheint hörbar zu sein: wie schon die Vierte kreist auch seine Fünfte – die Schicksalssinfonie – um die Motive Schicksal und Tod. Sie drücke ein «vollständiges Sich-Beugen vor dem Schicksal» aus, so der Komponist «oder was dasselbe ist, vor dem unergründlichen Walten der Vorsehung».

Wieso sich der Komponist in derartiger Verzweiflung befand und welche Rolle das Schicksal in Tschaikowskys eigenem Leben wie Schaffen spielte erfahren Sie im Sonderheft zum Tschaikowsky-Zyklus.

Tschaikowsky und die Welt



1888


Tschaikowksy
Europa-Tournee u.a. als Dirigent: in Leipzig lernt er Grieg kennen, mit der er Freundschaft schloss, sowie Brahms. In Prag begegnen sich Tschaikowsky und Dvořák, sie tauschen in der Folge Partituren aus.
Uraufführung der Fünften Sinfonie unter Leitung des Komponisten in Petersburg.

Architektur
Seit 28. Januar 1887 ist der Bau des Eiffelturms in Gange (Eröffnung anlässlich der Weltausstellung 1889). Bis 1930 war er das höchste Bauwerk der Welt.

Literatur
Wladimir Korolenkos «Sibirische Novellen», geschrieben in seiner Verbannung 1879-1885, erscheint.

Mehr zum Weltgeschehen rund um Tschaikowksy finden Sie im Sonderheft zum Tschaikowsky-Zyklus.

veröffentlicht: 16.12.2019