Yukiko Ishibashi, Vanessa Szigeti, Alexandra Gouveia (Fotos: Paolo Dutto)
Musiker*innen

Mein Anfang – Teil 1

Wie war ihr Start im Tonhalle-Orchester Zürich? Yukiko Ishibashi, Vanessa Szigeti und Alexandra Gouveia erzählen.

Aufgezeichnet von Susanne Kübler

Yukiko Ishibashi, 1. Violine seit 1. April 2002

«Ich war noch im Studium, als ich ins Orchester kam. Mein Vater war kurz davor ganz plötzlich verstorben, und es ging mir nicht so gut. In der Nacht vor der ersten Probe hatte ich kaum geschlafen. Aber der Kollege an meiner Seite sah mein Gesicht, erfasste meine Lage – und war unglaublich hilfsbereit und verständnisvoll. Bis heute stehe ich mit ihm in Kontakt, obwohl er mittlerweile pensioniert ist. Und das Werk von Schubert, das wir damals nebeneinander spielten, bleibt für mich unvergesslich und bedeutend.»

Vanessa Szigeti, Stv. Stimmführerin 2. Violine seit 28. Januar 2019

«Mein erster Dienst war ein Probespiel für 2. Violine tutti. Ich hatte noch keinen Ton gespielt in diesem Orchester, kannte nur zwei Kollegen – und musste als neue Stimmführerin die offizielle Begrüssung machen! Es war eine absurde Situation. Aber es hat mich ungemein berührt, wie wohlwollend im Orchester über die Kandidat*innen gesprochen wurde. Das war ein sehr schöner erster Eindruck. Der zweite am Tag danach war ähnlich speziell: Das war eine Atelier-Probe mit Jan Willem de Vriend, der eine Kiste mit zwei Dutzend klassischen Bögen und Barockbögen mitbrachte, zum Ausprobieren. Ich hatte noch kaum je einen solchen Bogen in der Hand gehabt und dachte nur: Hilfe! Aber irgendwie ging auch das. In dieser Probe bekam ich übrigens ein Willkommens- Geschenk, das ist eine schöne Tradition in unserem Orchester. Es war eine Tasche in den Zürich-Farben, mit der ich nach wie vor unterwegs bin.»

Alexandra Gouveia, 2. / 3. / 4. Flöte / Piccolo seit 12. August 2024

«Ich gewann mein Probespiel am 7. März 2024, starten konnte ich im August. Das war eine lange Wartezeit für mich, die Erwartungen wuchsen täglich, auch die Ängste, die Aufregung … Ich hatte ja in Zürich meinen Master gemacht und kannte das Orchester als Zuhörerin; aber die Vorstellung, selbst dazuzugehören, war irgendwie surreal. Mein erster Einsatz war dann ein Gastspiel in Wiesbaden mit zwei Brahms-Sinfonien: sieben Stunden Busfahrt, die vielen neuen Leute, die Konzerte – das war im positivsten Sinn überwältigend! Ich habe es genossen, gleich ganz in diese Welt einzutauchen und die Kolleginnen und Kollegen auch neben der Bühne kennenzulernen. Dabei habe ich übrigens festgestellt, wie wenig es mir nützte, dass ich anhand der Orchester-Fotos auf der Webseite alle Namen gelernt hatte: Denn die meisten haben Spitznamen.»

veröffentlicht: 08.09.2026